Was Steine erzählen ...

Ausstellung im Stadtmuseum

Eine außergewöhnliche Ausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar erinnert ab dem 29. Januar 2017 an ein dunkles Kapitel der Hofgeismarer Stadtgeschichte. Außergewöhnlich ist sie durch ihr Zustandekommen, ihre unkonventionelle Umsetzung aber vor allem durch das besondere Thema:

„Am 28.1.1939 stand in der Hofgeismarer Zeitung: „Wie in vielen anderen Städten, so musste auch in Hofgeismar mit der Abwanderung der Juden der Judentempel verschwinden. Wenn die letzten Aufräumungsabeiten abgeschlossen sind, wird nichts mehr daran erinnern, dass hier eine Synagoge gestanden hat.“

Diese Zeitungsnotiz war der Anstoß für ein Forschungsprojekt des Stadtmuseums in Kooperation mit der Gustav-Heinemann-Schule. Unter der Leitung eines Projekt-Teams aus Museums-Mitarbeitern und Lehrern des GHS ging eine neunte Realschulklasse Fragen nach wie: Gibt es vielleicht doch noch Spuren von der Hofgeismarer Synagoge? Wo genau stand sie? Ist es den Nazis gelungen, die Erinnerung in der Öffentlichkeit auszulöschen? Welche Geschichte hatte die 1764 erbaute Synagoge, und welche Geschichte der Hofgeismarer Juden ist mit ihr verbunden?

Nun wird das Ergebnis der Arbeit in einer Ausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar vorgestellt.

Die Schüler finden in ihrer Präsentation einen erfrischenden und unkonventionellen Weg, die Hofgeismarer Synagoge zu vergegenwärtigen und die Geschichte der jüdischen Gemeinde ins öffentliche Bewusstsein zurückzurufen.

Dieses Projekt begleitete die Schüler fünf Monate lang. Dazu forschten sie im Stadtmuseum und in der Stadt. So wurde der Standort der ehemaligen Synagoge mit Hilfe alter Karten und Grundrisse vermessen, restliche Steine des Fundamentes untersucht und Spuren dokumentiert. Das Thema floss in den Fächern Deutsch, Religion, Kunst, Mathematik, Gesellschaftslehre und Englisch in den Schulunterricht ein.

Vielfältig und anspruchsvoll waren die Herausforderungen für die Schüler: Die Lektüre des Buches „Steine reden nicht“ von Carlo Ross und das Erstellen eines Lektüretagebuchs, die Durchführung einer Bürgerumfrage, die künstlerische Darstellung des Synagogengebäudes, Erkundungen über die religiöse Funktion von Architektur und Inneneinrichtung der Synagoge, eine Exkursion zur Kasseler Synagoge und vieles mehr. 

Ein Pilotprojekt – beispielhaft für die Zusammenarbeit von Schule und Museum als außerschulischem Lernort.

Julia Drinnenberg, Gabriele Hafermaas, Arnd Naundorf (Stadtmuseum) bildeten das Projekt-Team mit Irmgard Ehls und Claudia Wesemann (Gustav-Heinemann-Schule).

Neben einer dokumentarischen und künstlerischen Darstellung des Themas in der Ausstellung wird eine Audio-Collage Premiere haben: Die Schüler schrieben und vertonten auf der Grundlage von damaligen Briefen, Polizeiberichten und späteren Zeitzeugenaussagen Dialoge wie sie in den Jahren 1933 bis 1939 in Hofgeismar stattgefunden haben könnten.

Das Projekt wurde gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Modellprojekts Kulturkoffer.

Die Ausstellung ist zu sehen ab Montag, dem 30. Januar im Stadtmuseum Hofgeismar

Öffnungszeiten:

Montag, Dienstag und Donnerstag 10 bis 12 Uhr

Mittwoch 15 bis 18 Uhr und Freitag 17 bis 19 Uhr,

Sonntags und an Feiertagen von 10 bis 12 Uhr

und von 15 bis 18 Uhr.

Weitere Termine nach Vereinbarung.

Der Eintritt ist frei, Spenden werden gerne entgegengenommen.

Text und Fotos: Julia Drinnenberg

 

 

Bild 1

Christoph Ritter beim Vermessen einer großen quadratischen Sandsteinplatte am Standort der ehemaligen Synagoge

Bild 2

Bei der Darstellung der Synagoge war gute Zusammenarbeit wichtig (Sarah Lange und Susanne Bogush)

Bild 3

Aufnahmen für die Hör-Collage:„Was Steine erzählen“. (Jannis Thulke, Moritz Beutekamp, Julia Gockert)