Photographie

 

 
 

Alte Photographien

 

Zu den Beständen des Stadtmuseums gehört eine größere Anzahl von sog. „Carte-de-Visite“-Photographien. Bei diesen Bildern handelt es sich um Porträtaufnahmen, die auf stabilen Karton im Format von meist ca. 10,2 x 6,3 cm aufgezogen wurden. Das 1854 von André Adolphe-Eugène Disdéri erfundene Verfahren ermöglichte die massenhafte Herstellung preiswerter Porträts. Sie wurden zu zehntausenden produziert und besitzen meist keinerlei künstlerischen Wert: Es handelt sich um Massenware. Dennoch sind sie wichtige Zeitdokumente. Sie wurden als photographische Visitenkarten in prächtigen Einsteckalben gesammelt.

Bei diesen für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr typischen Bilddokumenten steht zunächst die archivgerechte Aufbewahrung im Vordergrund. Diese Problematik soll hier kurz geschildert werden, da die sichere Lagerung historischer Photographien auch für den privaten Bereich von Interesse sein sollte.

Photographien sind permanent schädigenden Umwelteinflüssen ausgesetzt. Diese lassen sich nie völlig ausschalten. Je geringer sie aber sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein Photo auch über einen langen Zeitraum ohne Veränderungen aufbewahrt werden kann. Die Einsteckalben sind die erste Quelle schädlicher Stoffe. Das Papier ist säurehaltig und wirkt äußerst aggressiv auf die Photoschicht ein. Unschwer ist bei den Bildern ein Ausbleichen vom Rand, wo sich Photoschicht und Papier berühren, zu erkennen. Hier war es unumgänglich, die Bilder herauszunehmen und in säurefreien Archivkartons zu lagern. Dabei wurde aber festgehalten, wo sie sich im Album befanden, um den ursprünglichen Zusammenhang rekonstruieren zu können.

Bei der Lagerung der Bilder ist vor allem auf eine niedrige Temperatur und eine mittlere Luftfeuchtigkeit zu achten. Daneben dürfen keine schädlichen Gase an die Bilder gelangen. Aufbewahrung in Schränken aus Pressholz oder ähnlichen, mit Chemikalien durchsetzten Materialien scheidet also aus. Sehr günstig sind einbrennlackierte Stahlschränke oder, bei staubdichten Archivkartons, offene Regale. Pergamintüten sind in letzter Zeit in Verruf geraten. Stattdessen finden spezielle, chemisch absolut neutrale Kunststoff-Folien (Polyethylen, Polypropylen, Polyester) Anwendung.

Geradezu katastrophale Auswirkungen können einige Materialien haben, die leider noch viel zu häufig bei der Archivierung von Photographien Anwendung finden. Das aus archivalischer Sicht sehr problematische Umweltschutzpapier führt bei direktem Kontakt zu photographischen Schichten zum irreversiblen Vergilben. Es ist grundsätzlich nicht für die archivgerechte Lagerung oder Dokumentation geeignet. Gummiringe enthalten sehr schädliche Schwefelverbindungen, und Klebstoffe - übrigens auch einige der im graphischen Bereich so geschätzten Adhäsivkleber - setzen sich meist aus einem ganzen Chemiecocktail zusammen. Anzumerken ist, dass die hier aufgeführten Probleme nicht nur bei Photos auftreten können. Graphiken sind z. B. in beinahe der gleichen Weise gefährdet. Dass zuviel Licht einem Photo sehr zusetzt, dürfte selbstverständlich sein. Bilder sollten deshalb dunkel gelagert und bei nicht mehr als 50 Lux ausgestellt werden.

Zur Handhabung von Photomaterialien empfehlen sich Baumwollhandschuhe, um Fingerabdrücke zu verhindern, die in der Regel nicht mehr von der photographischen Schicht zu entfernen sind. Arbeit mit Handschuhen empfiehlt sich sowieso bei vielen musealen Materialien wie Metall oder Papier. Beschriften kann man die Objekte am besten mit einem sehr weichen Bleistift. Er ist im Gegensatz zu fast allen anderen Stiften chemisch neutral und kann nicht ausbleichen.

Literaturhinweise
Conservation of Photographs, Eastman Kodak Co. Publikation F-40, Rochester (USA) 1885.
Ulrich Pohlmann, Marjen Schmidt und Wolfgang Stäbler (Hrsg.): Bewahren, was noch zu retten ist. Möglichkeiten der Archivierung, Konservierung und Restaurierung von Fotografiesammlungen. München 1993.
James M. Reilly: Care and Conservation of 19th Century Photographic Prints. Rochester (USA) 1986.
Marjen Schmidt: Fotografien in Museen, Archiven und Sammlungen. München 1994. (Mit Bezugsadressen für Archivmaterial)
Für moderne photographische Materialien sind die Datenblätter der Hersteller eine wichtige Quelle.

 

Micha Röhring (In: Der Museumsdiener aus dem Stadtmuseum Hofgeismar Nr. 22, 1994; hier leicht bearb.)